14. März 2016

M.A.R.K.U.S - Magazin für Betriebliches Vorsorge- und Gesundheitsmanagement 01/2016

Digitale Gesundheitsförderung: Chancen und Herausforderungen

Innovative Technologien wie Gesundheits­portale, mobile Apps und tragbare Sen­soren (Wearables) bieten eine Vielzahl an Chancen, um Beschäftigte ganz individuell für eine größere gesundheitliche Eigenverantwortung zu sensibilisieren und zu motivieren. Damit bieten digital unterstützte Lösungen nicht nur die Möglichkeit, die individuelle und die unternehmensbezogene Gesundheitsförderung stärker miteinander zu vernetzen, nein, sie eröffnen der betrieblichen Prävention auch ganz neue Wege zu interessanten Zielgruppen.

Umfassende Analyse der Unternehmensgesundheit – schnell und effizient.

Jede BGM-Maßnahme sollte auf einer fundierten Analyse aufbauen. Webbasierte Gesundheitsbefragungen ermöglichen es, den individuellen Gesundheitszustand eines jeden Mitarbeiters anonym und unter Einhaltung höchster Datenschutzanforderungen zu erfassen und umgehend zu analysieren. Eine sofortige Auswertung macht gesundheitsrelevante Ressourcen, Schwachstellen und Risikopotenziale im Unternehmen sichtbar und liefert Ansatzpunkte für zielgerichtete Maßnahmen und ein strategisches Vorgehen im BGM.

Gesundheitsförderung unabhängig von Zeit und Ort.

Damit BGM wirklich etwas bewegen kann, müssen alle Beschäftigten im Unternehmen von Gesundheitsangeboten profitieren können. Viele Firmen, insbesondere im Dienstleistungsbereich, sind bereits in der Arbeitswelt 4.0 angekommen und stehen aufgrund der zunehmenden Flexibilisierung und Entgrenzung der Arbeit vor ganz neuen Herausforderungen. Digitale Lösungen wie Gesundheitsportale oder Gesundheits-Apps ermöglichen es, die Mitarbeiter dort abzuholen, wo sie ihren Alltag verbringen – sei es im Außendienst, auf Geschäftsreise, im Homeoffice oder an anderen Firmenstandorten. Die Programme einiger Anbieter sind bereits in verschiedenen Sprachversionen verfügbar und erlauben ein standortübergreifendes Gesundheitsmanagement – auch in international agierenden Unternehmen.

Mit digitalen Lösungen haben Mitarbeiter die Freiheit, selbst zu entscheiden, wann und wie sie sich mit ihrer eigenen Gesundheit beschäftigen. Kontinuierlich verfügbare ge­sundheitsfördernde Maßnahmen bedeuten aber keineswegs eine ständige Verfügbarkeit der Beschäftigten. Vielmehr werden sie beim Aufbau eigener Ressourcen unterstützt. Dazu gehört beispielsweise auch, das Handy oder den Laptop nach Feierabend auszuschalten.

Erschließung neuer Zielgruppen – Gesundheit darf Spaß machen!

Ein Problem, das viele Gesundheitsmanager kennen: Häufig erreichen Gesundheitsangebote wie Yoga- oder Rückenkurse nur die Mitarbeiter im Unternehmen, die sowieso schon sportlich aktiv sind. Ein webbasierter Ansatz bietet nun erstmals die Chance, eine neue Zielgruppe der berufstätigen Bevölkerung anzusprechen: die „Gesundheitsfernen“. Dazu gehören beispielsweise junge Beschäftigte die sich bisher der Prävention meist völlig entziehen, aber sehr technologieaffin sind. Fitnessarmbänder, Smartwatches oder Gesundheits-Apps ermöglichen einen niederschwelligen Einstieg in das Thema „Gesundheit“ und sorgen mit einem spielerischen Ansatz für mehr Motivation und den nötigen Spaßfaktor.

So stoßen beispielsweise sogenannte Schrittzähler-Challenges, die einen internen Wettbewerb zwischen Abteilungen oder Standorten anregen, häufig auf gute Resonanz und sorgen für eine positive Gruppendynamik.

Individuelle Mitarbeiter – bedarfsgerechte Unterstützung

Kaum ein Lebensbereich ist so individuell wie die eigene Gesundheit. Breit gefächerte Gesundheitsangebote, die möglichst allen Bedürfnissen gerecht werden sollen und nach dem Gießkannenprinzip für die gesamte Belegschaft verfügbar sind, können schnell verpuffen und teuer werden. Webbasierte Gesundheitsportale stellen hier eine attraktive Alternative dar: Ob Online-Fitnesstraining, E-Learning-Angebote zu einem besseren Umgang mit Stress oder tägliche Tipps für eine ausgewogene Ernährung – aus einer Vielzahl an Gesundheitsthemen kann sich jeder Mitarbeiter seine eigenen Schwerpunkte auswählen. Auf diese Weise bekommt er genau die Unterstützung, die er tatsächlich benötigt.

Höchster Datenschutz – die Grundbedingung im digitalen BGM.

Der Einsatz digitaler Lösungen im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements hat aber auch einen wunden Punkt: den Datenschutz. Beschäftige, Arbeitnehmervertretungen und Datenschutzbeauftragte äußern ihre Bedenken hinsichtlich einer „Vermessung der Mitarbeiter“. Sie befürchten, dass vertrauliche Informationen zur persönlichen Gesundheitssituation oder über die Bewertung von Arbeitsbedingungen und Führungsverhalten nicht anonym erfasst und gespeichert werden und letztendlich auf dem Schreibtisch des Personalverantwortlichen oder des Geschäftsführers landen. Das sorgt vielerorts für eine gewisse Skepsis gegenüber digitalen Gesundheitstools am Arbeitsplatz.

Und es macht eines sehr klar: Wenn es um ein solch sensibles Thema wie die Erfassung individueller Gesundheitsdaten geht, müssen Datenschutz und Schutz der Privatsphäre der Beschäftigten höchste Priorität genießen. Wichtig ist, dass ausschließlich anonymisierte statistische Auswertungen an den jeweiligen Arbeitgeber übergeben werden – und dies auch nur dann, wenn keine Rückschlüsse auf die Daten einzelner Personen möglich sind.

Eine transparente interne Kommunikation ist ein entscheidender Erfolgsfaktor, um di­gitale Gesundheitsprogramme in Organisationen zu implementieren. Die teilnehmenden Mitarbeiter müssen genau wissen, was mit ihren Daten passiert. Zudem ist entscheidend, dass sowohl die Nutzung des Systems als auch die Eingabe der Daten für alle Mitarbeiter immer auf Freiwilligkeit beruhen.

BGF: klassisch, digital oder beides?

Die rasanten Entwicklungen im Bereich E-Health bieten Unternehmen zahlrei­che Chancen, ihre gesundheitsbezogenen Maßnahmen passgenau und mitarbeiterindividuell zu gestalten – immer unter der Voraussetzung, dass Datenschutz und Mitarbeiterrechte gewahrt bleiben. Digitale Technologien sollten jedoch stets in die strategische Gesamtkonzeption des Betrieblichen Gesundheitsmanagements eingebunden und mit anderen traditionellen Maßnahmen verknüpft werden. Die Vernetzung von traditioneller Betrieblicher Gesundheitsförderung mit digitalen Tools und Services ist ganz klar der richtige Weg, der zu mehr Akzeptanz und Effizienz im Betrieblichen Gesundheitsmanagement führt.

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